Durch diese hohle Gasse muss alles durch

05.10.2016

AEROSOL-SERIE #2: Ein Aerosolventil ist ein Gateway der Extraklasse und eindeutig der komplexeste Teil eines Aerosolsprays. Es wird als kompaktes Fertigstück bezogen und besteht aus sieben Bestandteilen.

Das Ventil ist eindeutig der komplexeste Bestandteil eines Aerosolsprays. Es wird zwar als kompaktes Fertigstück vom Lieferant bezogen, besteht aber in sich aus sieben Bestandteilen:  

A.  Teller: entweder Alu oder Weissblech unterschiedlich beschichtet

B.  Aussendichtung: Buna, Butyl, Neopren laminiert

C.  Innendichtung: Buna, Butyl, Neopren

D.  Stem oder Sitz: verschiedene Materialien und Bohrungen

E.  Feder: Edelstahl

F.  Gehäuse: verschiedene Materialien und Bohrungen

G.  Steigrohr: verschiedene Längen und Durchmesser

Grundsätzlich gibt es Stem- und Sitzventile, aber einfacher merkt man sich diese als männliche und weibliche Ventile. Da man mit den männlichen Ventilen höhere Füllgeschwindigkeiten erzeugen kann, werden sie viel häufiger eingesetzt. Zudem bieten diese auch mehr Möglichkeiten um den Durchlass zu regulieren, wodurch das Sprühbild feiner abgestimmt werden kann.

Es gibt zahlreiche verschiedene Ventiltypen, wobei jedes sein eigenes Einsatzgebiet hat:

Schlitzventil

Dieses reine Überkopfventil wird ausschliesslich für Anwendungen eingesetzt, die nur kopfüber funktionieren sollen. Beispiele dafür sind Haarfestiger, Teppichreiniger, Auffüllgas oder Schlagrahm.

Kugelventil

Das Kugelventil ermöglicht einen Anwendungsradius von 360°. Man kann das Produkt also kopfüber einsetzen, schräg oder ganz aufrecht. Es befindet sich eine kleine Kugel im Ventil welche sich durch die Schwerkraft verlagert und dafür sorgt, dass beim Schräghalten nicht nur Gas sondern auch Inhalt austritt. Beispiele sind Sonnenspray, Desinfektionspray, Imprägnierungsspray, Fleckenspray usw.

Puderventil

Dieses Ventil hat eine schärfere Kante und einen Kegel, der gut abdichtet. Bei einem Pulverspray ist zentral, dass das Ventil nach dem Gebrauch nicht verstopft. Beispiele sind Fusspuder, Körperpuder.

Beutelventil

In der Industrie nennt man diese Technologie bag-on-valve, wobei ein Alubeutel mit dem Ventil verbunden ist. Das Füllgut kommt in den Beutel, das Treibmittel zwischen Beutel und Dose. Diese Technik kommt dort zum Einsatz wo das Produkt nicht mit dem Treibgas vermischt werden soll. Ein wichtiges Einsatzgebiet ist die Medizin, denn bei Arzneimittelsprays ist es entscheidend, dass der Produktinhalt nicht mit Treibmittel vermischt wird, sonst müsste es neu zugelassen werden. Weil das Beutelventil weniger stäubt, wird es manchmal auch bei normalen Kosmetiksprays eingesetzt wie beispielsweise bei Sonnensprays. Weitere Spezialanwendungen sind Rasiergele oder Duschgele. Da wird das Produkt mit einem flüssigen Treibgas mit wenig Eigendruck gemischt und in den Beutel gefüllt. Der Druck zwischen Dose und Beutel verhindert ein Aufschäumen bereits in der Dose. So kann das Produkt als Gel austreten und schäumt erst später auf, wenn das Treibgas durch die Körperwärme zu verdampfen beginnt.